Adveniat fordert Ende der Angriffe auf Migrantenherbergen in Mexiko

Im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ist es wiederholt zu Überfällen und Angriffen auf Migrantenherbergen gekommen, die vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat unterstützt werden. Personal und Migranten werden massiv von angeblichen Staatsbediensteten bedroht. „Die Überfälle und Bedrohungen gegen die Migrantenherbergen müssen sofort beendet werden, die Vorfälle aufgeklärt und der Schutz der Mitarbeitenden und der dort Schutzsuchenden garantiert werden“, fordert Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Martin Maier nach einem erneuten Angriff auf die von Adveniat unterstützte Unterkunft „Casa Betania Santa Martha“ in Salto de Agua.

Schwester Nélida versorgt in der von Adveniat unterstützten Migrantenherberge „El Samaritano“ im mexikanischen Bojay die wundgelaufenen Füße eines honduranischen Migranten. Foto: Hans-Maximo Musielik/Adveniat

„Wir stellen uns ausdrücklich hinter die jüngste Erklärung der Mexikanischen Bischofskonferenz, die ein Ende der Politik der Repression gegenüber Schutzsuchenden fordert“, so Pater Maier. „Der Versuch Mexikos, die Migrationsbewegungen an der Südgrenze des Landes aufzuhalten, führt zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen. Dafür ist auch die USA verantwortlich, die mit ihrer restriktiven Einwanderungspolitik versucht, die Problematik auf Mexiko zu verlagern“, sagt Pater Maier. Notwendig seien stattdessen gemeinsame Anstrengungen Mexikos, der USA und der internationalen Gemeinschaft, den Migranten in Mexiko zu helfen und ihnen eine menschenwürdige Perspektive zu ermöglichen sowie Fluchtursachen zu bekämpfen. „Zudem müssen unheilbringende Verbindungen zwischen Politik und organisierter Kriminalität entschieden bekämpft werden“, so der Adveniat-Hauptgeschäftsführer.

„Zuletzt kam es am 12. Oktober zu einem erneuten Übergriff auf die Migrantenherberge in Salto de Agua“, berichtet Reiner Wilhelm, Mexiko-Referent bei Adveniat. Gegen 19.30 Uhr seien plötzlich acht bewaffnete Männer in Zivil vor der Casa Betania Santa Martha aufgetaucht. Die Männer schrien im aggressiven Ton und forderten unter dem Vorwand sie seien von der Staatsanwaltschaft Einlass in die Herberge. Nach massiven Drohungen öffneten die Mitarbeitenden die Tür. „In der Unterkunft bedrohten sie Migranten und Belegschaft mit vorgehaltener Waffe, forderten die Herausgabe von persönlichen Daten und brüllten die verängstigen Menschen an“, berichtet Wilhelm. „Die Männer waren nicht uniformiert und konnten sich nicht als Polizisten oder Beamte ausweisen“, kritisiert der Adveniat-Referent. Migranten würden vielfach von der organisierten Kriminalität als sogenannte Mulas, Drogenschmuggler, missbraucht oder zwecks Lösegelderpressung entführt. Zudem würden sie als Opfer illegalen Organhandels verschleppt und ermordet, erklärt Mexiko-Experte Wilhelm. „Deshalb haben die Schutzsuchenden große Angst vor der Herausgabe personenbezogener Daten.“

Erst vor wenigen Tagen hatte die katholische Kirche in Mexiko, die sich intensiv für die Rechte der Migranten aus Mittelamerika, aber auch aus Haiti, Kuba und Venezuela einsetzt, die Regierung von Präsident Andrés Manuel López Obrador dazu aufgerufen, die Politik der Repression gegen Migranten aufzugeben. Stattdessen sei es notwendig dem verfassungsmäßigen Auftrag nachzukommen, die Menschenrechte jedes Einzelnen zu respektieren, sagte Bischof José Guadalupe Torres Campos aus der nordmexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez. „Wir wollen kein Mexiko, in dem der Körper und der Schmerz ausländischer Menschen verkauft werden“, sagte Torres Campos und kritisierte die Komplizenschaft zwischen der Politik, staatlichen Stellen und der organisierten Kriminalität bei der Ausbeutung der Migranten. Zugleich bot Torres Campos der mexikanischen Regierung die Unterstützung und Kooperation der Kirche in der Migrationsarbeit an. Angesichts wachsender Zahlen Geflüchteter auch aus Haiti schließt sich Adveniat dem Appell der mexikanischen Kirche an, sich aktiv für die Schutzsuchenden zu engagieren. Jeder solle sich als Teil dieses Projekts fühlen, sagte Bischof Hilario González García aus der zentralmexikanischen Diözese Saltillo.

Laut einer am Dienstag veröffentlichen Studie des Instituts „Colegio de México“ suchen zurzeit rund 230.000 Migranten Schutz in Mexiko. Neben den ausländischen Schutzsuchenden gäbe es in Mexiko seit 2009 auch 357.000 Binnenflüchtlinge, die wegen Gewalt und Kriminalität ihre Heimat verlassen mussten, heißt es in dem Bericht weiter. Adveniat steht an der Seite schutzsuchender Menschen in Mexiko und ganz Lateinamerika. Das Hilfswerk unterstützt die Migrantenpastoral der katholischen Kirche seit Jahrzehnten, um den Menschen auf ihrem lebensgefährlichen Weg in Richtung Norden zumindest zeitweise sichere Unterkunft, Nahrung und Kleidung sowie psychologische, medizinische, juristische Hilfen und spirituelle Begleitung zu ermöglichen. Im südmexikanischen Palenque und Salto de Agua hat Adveniat den Bau der Herbergen und einer Werkstatt für Migranten mitfinanziert und fördert den Unterhalt der Ordensleute.

Adveniat, das Lateinamerika-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland, steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten mehr als 2.000 Projekte mit rund 35 Millionen Euro gefördert werden, die genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.

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