Adveniat-Freiwillige kehrt aufgrund der Corona-Krise aus Bolivien zurück

Seit sieben Monaten arbeitete die 18-jährige Miriam Steindorff bereits im bolivianischen Tiefland als Freiwillige in einem Waisenhaus, das von den Salesianern Don Bosco betrieben wird. Nun musste sie aufgrund der Corona-Pandemie frühzeitig ausreisen.

Freiwillige Miriam Steindorff. Foto: privat

Miriam Steindorff hatte sich für ihre Zeit in Bolivien noch so viel vorgenommen. Sie wollte die berühmte Salzwüste „Salar de Uyuni“ bereisen, und vor allem wollte sie helfen: den Kindern im Waisenhaus „Mano Amiga“ in der Stadt Santa Cruz in Bolivien. Doch es kam anders. Sie erhielt die Nachricht, dass sie ausreisen müsse, schnell müsse es gehen. Das Coronavirus hatte auch Bolivien erreicht. Miriam Steinhoff konnte es nicht fassen. „In Bolivien gibt es nur ein paar Infizierte. Wieso zurück nach Deutschland, wo schon Menschen wegen des Virus gestorben sind?“ dachte sie und hoffte weiter darauf, bleiben zu dürfen.

Seit sieben Monaten arbeitete die 18-jährige Nürnbergerin bereits im bolivianischen Tiefland in der Stadt Santa Cruz als Freiwillige in einem Waisenhaus, das von den Salesianern Don Bosco betrieben wird. Sie kam mit dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) zu dem Projekt. In dem Waisenhaus leben rund 80 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren, die aus zerrütteten Familien stammen oder misshandelt wurden. Miriam Steindorff half ihnen bei den Hausaufgaben, schaute, ob sie sich richtig die Zähne putzten und spielte Fußball oder Völkerball mit ihnen. „Vor allem die kleineren Kinder freuten sich immer riesig, wenn ich kam“, sagt sie. 

Die Entscheidung, nach Bolivien zu gehen, war spontan gekommen. Die Pfadfinderin wollte nach dem Abitur raus aus Deutschland. Doch Lateinamerika? Sie sprach kein Wort Spanisch. Aber das Adveniat-Projekt begeisterte sie. Sie wusste: Das ist es. Vor ihrem Entschluss nach Bolivien zu gehen, dachte sie bei dem Land hauptsächlich an gewaltige Andenmassive und dünne Höhenluft. Doch Santa Cruz ist anders. Als sie ankam, blies ihr die heiße Tropenluft des bolivianischen Tieflandes entgegen. Alles war neu, alles war anders. Das subtropische Klima, die Menschenmassen auf den Straßen, die Minibusse, die jeden und jede an jeder Straßenecke aufsammeln.

Ihre Gastfamilie, vor allem ihre beiden Gastbrüder und ihre Gastschwester, halfen ihr, sich in dieser neuen Umgebung zurecht zu finden. Miriam Steindorff wohnte mit ihnen zusammen und wurde ein Teil der Familie. „Ich habe alle wirklich sehr in mein Herz geschlossen“, sagt sie. Zweimal in der Woche ging sie zum Spanischunterricht. Sie machte schnell Fortschritte. Sie fand Freunde.

Vor einigen Wochen dann die ersten Meldungen: Auch in Bolivien sind Menschen positiv auf Covid-19 getestet worden. In Europa hatte sich das Virus zu dieser Zeit schon weit ausgebreitet. In Bolivien war die Zahl der Erkrankten noch überschaubar. Doch alle Warnsirenen heulten in den Regierungsgebäuden in La Paz: In den überfüllten Minibussen, auf den dicht gedrängten Märken und auf den Straßen könnte sich das Coronavirus rasend schnell im ganzen Land ausbreiten, meinen Experten. Das ohnehin marode Gesundheitssystem stünde schnell vor dem Kollaps.

Die Regierung handelte, wenn auch nur halbherzig. Ausgangssperren, zunächst von 17 Uhr nachmittags bis 5 Uhr morgens. Die Schulen schlossen, arbeiten war nur noch bis Mittag erlaubt. Auch in dem Kinderheim von Miriam Steindorff durfte sich nur noch ein einziger Erzieher zu einer bestimmten Uhrzeit aufhalten. Es folgte eine Zeit der Ungewissheit.

Miriam Steindorff war sich sicher: „Ich bleibe hier, ich habe ja meine Gastfamilie.“ An einem Montag kam dann die Nachricht: Alle müssen ausreisen. Das Flugticket war bereits von den Organisatoren gebucht worden. Schon für den darauffolgenden Donnerstag. Es blieb keine Zeit, da die Grenzen komplett dichtgemacht werden sollten. „Es begann ein Hin und Her. Auf einmal hieß es in den Nachrichten, dass der Flughafen doch schon ab Donnerstag geschlossen werde“, erinnert sie sich.

Ihr Flug über São Paulo (Brasilien) sei gestrichen worden. Zumindest stand das so im Internet. Sie fuhr trotzdem zum Flughafen. Sie nahm ein Taxi. Alleine, denn wegen der Ausgangssperre konnte ihr Gastbruder sie nicht begleiten. Sie sagte noch zu ihrer Gastfamilie, als sie ging: „Ich komme vielleicht gleich wieder zurück.“ Sie wusste nicht, was sie am Flughafen erwarten wird. Dann ging doch alles ganz schnell, ihr Flugzeug hob regulär ab. Abschied per Videotelefonie von ihrer Gastfamilie. Und zurück nach Nürnberg, drei Monate früher als geplant. Von den Heimkindern konnte sich Miriam Steindorff Tags davor nur kurz verabschieden.

Jetzt ist die 18-Jährige zurück in Nürnberg. Auch wenn es für sie ein Schock war, ist sie froh, heil angekommen zu sein. Sie versteht, dass sie ausreisen musste. „Irgendwann möchte ich aber zurückkehren und hoffe darauf, zumindest einige der Heimkinder wiederzusehen.“

Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat

steht für kirchliches Engagement an den Rändern der Gesellschaft und an der Seite der Armen. Dazu arbeitet Adveniat entschieden in Kirche und Gesellschaft in Deutschland. Getragen wird das Werk von Hunderttausenden Spenderinnen und Spendern – vor allem auch in der alljährlichen Weihnachtskollekte am 24. und 25. Dezember. Adveniat finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden. Die Hilfe wirkt: Im vergangenen Jahr konnten rund 2.000 Projekte gefördert werden, die mit mehr als 36 Millionen Euro genau dort ansetzen, wo die Hilfe am meisten benötigt wird: an der Basis, direkt bei den Armen.

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