Padre Arturo Estrada
Mittler zwischen Weltmarkt und indigenen Bauern

Für die indigenen Kaffeebauern im Süden Mexikos war es ein langer Weg von der Schuldknechtschaft in die unternehmerische Moderne einer Großkooperative. Der Leiter und Jesuit, Padre Arturo Estrada, stellt den die Menschen in den Mittelpunkt der Arbeitswelt - nicht das Kapital.

Mit seinem Pferdeschwanz, Birkenstock-Sandalen und einer bunt bestickten Soutane ist Arturo Estrada eine unkonventionelle Erscheinung in den Kaffeebergen Südmexikos. Seit 2016 leitet der 34-jährige Priester die Jesuitenmission von Bachajón und zugleich ein Kooperativen-Imperium, das Geschichte geschrieben hat. Vor 60 Jahren begannen die Jesuiten in dieser abgelegenen Region damit, die Indigenen vom Volk der Tzeltal pastoral zu begleiten.

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Einfache Bauern wie zum Beispiel Andrés Rodríguez, der als Analphabet für einen Hungerlohn auf der Finca eines Kaffeebarons schuftete. Rodríguez lernte bei den Jesuiten lesen und schreiben, wurde Diakon und bekam nach dem indigenen Zapatisten-Aufstand ein eigenes Stück Land, auf dem er bis heute Kaffee anbaut. Den liefert er an die von den Jesuiten ins Leben gerufene Kooperative Capeltic, was „Unser Kaffee“ auf Tzeltal bedeutet. 315 Bauern gehören ihr an. Die Kooperative setzt jährlich 30 Millionen Pesos (rund 1,4 Millionen Euro) um und exportiert sogar nach Japan. „Ich bin jetzt mein eigener Herr und weiß, was aus meinen Kaffeebohnen wird“, sagt Rodríguez stolz. Sein 20-jähriger Sohn, der ebenfalls Andrés heißt, arbeitet in der Rösterei und studiert Betriebswirtschaftslehre.

Der Kaffeebauer Andrés Rodríguez schleppt einen Sack mit Kaffeebohnen
Andrés Rodríguez arbeitete heute produziert er für die Kaffee-Kooperative der Jesuiten. Foto: Jürgen Escher/Adveniat

Es war ein langer Weg von der Schuldknechtschaft in die unternehmerische Moderne einer Groß-Kooperative. Das Geheimnis des Erfolgs? „Wir haben nichts überstürzt und die Kirche den lokalen Bedürfnissen angepasst“, sagt Estrada. Er will die Kooperative in die Hand der jungen, indigenen Generation legen und zusammen mit den Bauern die Anbaumethoden modernisieren. Als Sohn einer Mittelschichtsfamilie hat er zupacken gelernt: Von klein auf ging er den Eltern in ihrem Restaurant im heimischen Puebla zur Hand. Später arbeitete er mit Migranten und sogar in einem Sweatshop an der Grenze zu den USA. Die Mischung aus Spiritualität und Praxisnähe hat ihn bei den Jesuiten fasziniert. „Wie schaffen wir es, dass in der Arbeitswelt der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht das Kapital?“ Diese Frage treibt Estrada um. 

Text: Sandra Weiss

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