Adveniat-Projektpartner: Viele Covid-Tote durch Sauerstoffnotstand in Peru

In Peru, einem der am meisten vom Coronavirus betroffenen Länder der Welt, kommt es durch die hohe Zahl an Neuinfektionen zu Engpässen bei der Beatmung. Laut Regierungsangaben fehlen derzeit 20 Prozent und damit 100 Tonnen der täglich benötigten Menge an Sauerstoff, sagte Adveniat-Projektpartner Pater Juan Goicochea Calderon.
 

Adveniat-Projektpartner Padre Juan Goicochea kämpft für die arme Bevölkerung in der Corona-Krise. Foto: Pohl/Adveniat


"Folgen sind eine verzweifelte Suche von Angehörigen nach Sauerstoff, mitunter tagelanges Anstehen für die lebensrettende Tanknachfüllung und viele vermeidbare Todesfälle", so der Priester. In seiner Pfarrei in Limas Vorstadt Chorillos hat der Comboni-Missionar ein Corona-Hilfswerk aufgebaut. Schon zu Beginn der Pandemie kaufte er Sauerstofftanks und verleiht diese an Familien. Angesichts der vielen Infektionen laufe sein Telefon heiß, berichtete er. Die Menschen kämen von weither und suchten verzweifelt Hilfe für ihre Kranken.

„In Peru ist zweite Corona-Welle eingetreten, die immer noch beängstigende Folgen mit sich bringt, vor allem, dass es vielerorts an Sauerstoff mangelt“, weiß auch Adveniat-Peru-Referent Michael Huhn. "Die andere besorgniserregende Seite sind die Entwicklungen rund um den Wahlkampf in Peru. In wenigen Wochen sind Wahlen und viele der Politiker sind mehr damit beschäftigt, Intrigen gegen ihre Gegenkandidaten zu spinnen, als dass sie sich um die Not der Menschen im Land kümmern.“
 

Für die von der Corona-Krise betroffenen Menschen in Peru.

Adveniat hat in der Corona-Krise bereits 700.000 Euro für Nothilfe in Peru bereitsgestellt. Die Partner im ganzen Land versorgen damit die arme Bevölkerung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Doch die Krise dauert an und die Menschen brauchen dauerhaft Unterstützung. Helfen Sie mit!


Padre Juan Goicochea übt scharfe Kritik an vielen Anbietern von Sauerstoff, die aus der Notlage Profit schlügen. "Für eine Tankfüllung bezahlt man auf dem Schwarzmarkt umgerechnet 600 Euro, mehr als das Doppelte eines üblichen Monatsgehalts, doch wer hat das noch in diesen Zeiten?" Der Transport ins Krankenhaus koste 500 Euro, wobei nur aufgenommen werde, wer zwei volle Sauerstoffbehälter mitbringe. "Die Folge ist, dass viele beim Warten vor den Krankenhäusern sterben und die Armen gar nicht mehr versuchen, dorthin zu kommen", sagte Goicochea.

Das Nadelöhr der Covid-Versorgung in Peru seien die 132 Sauerstoff-Produktionsanlagen, von denen laut Goicochea jede zweite von der Kirche oder anderen Initiativen betrieben wird. Angesichts der großen Not wolle er eine eigene Anlage zur Sauerstoffproduktion für 35 Tanks pro Tag errichten. Für die Kosten von umgerechnet 160.000 Euro wirbt er um Spenden auch aus dem Ausland. "Wenn wir Sauerstoff haben, können wir nicht nur Menschenleben retten, sondern auch die Verarmung aufhalten", so der Priester. "Denn die Familien geben für Sauerstoff alles, was sie haben - Auto, Fernseher, Grundstücke und alle Ersparnisse." Zugang zu Bankkrediten hätten sie nicht.
 


Adveniat-Referent Michael Huhn ist mehr als froh zu sehen, mit welchem unermüdlichen Einsatz sich Projektpartner wie Juan Goicochea und auch viele andere auch und umso mehr in der Corona-Krise um die arme Bevölkerung kümmern. Wie zum Beispiel auch zahlreiche Ordensschwestern. "Die Schwestern sind nach wie vor nah bei den Menschen, auch bei den Alten, die häufig vergessen werden. Sie versorgen sie mit Lebensmitteln und Hygieneartikel, schenken ihnen aber auch liebevolle Zusprache und hören ihre Sorgen und Nöte. (kna/adv)